Pahlke KunstWebDesign

Das l ist ein l ist ein …

… nur, um welchen Buchstaben handelt es sich nun wirklich? Oder ist es vielleicht gar eine Ziffer?

Die Entscheidung fällt vermutlich nicht leicht. Oder können Sie auf Anhieb entscheiden, um welche Buchstaben es sich in der Überschrift handelt?

Zum Glück stehen Buchstaben nur selten alleine, sondern meist in Gruppen. Vor wirkliche Schwierigkeiten, einen Text zu verstehen, wird einen ein unklarer Buchstabe also höchst selten stellen. Doch Spuren hinterlässt der schwer zu bestimmende Buchstabe trotzdem: Er bremst den Lesefluss.

Es ist deshalb alles andere als gleichgültig, welche Schrift für einen Text gewählt wird. Für die meisten Typographen sind das zweifellos serifenbehaftete Schriften, also Buchstaben, deren Striche mit kleinen Häkchen versehen sind.

Bekannte serifenbehaftete Schriften sind zum Beispiel:

Den Gegenpart bilden serifenlose Schriften. Bekannte Beispiele sind:

Bei letzteren Schriften fehlen, wie unschwer zu erkennen ist, die kleinen Striche und Häkchen an den Buchstaben.

Warum aber empfehlen viele Fachleute serifenbehaftete Schriften?

Der Grund für ihre Beliebtheit bei Typographen ist die gute Lesbarkeit.

Geübte Leser erfassen Texte nicht buchstabenweise, sondern in ganzen Textstücken von 10 bis 12 Zeichen. Im Deutschen sind das zwei bis drei Worte. Textstück für Textstück wird so der gesamte Text „eingelesen“. Je besser das Auge die aktuelle Zeile hält und am Zeilenende ohne langes Herumirren den Anfang der nächsten Zeile findet, desto leichter lässt sich ein Text lesen.

Am besten erfüllen diese Bedingung nach Überzeugung vieler Fachleute serifenbehaftete Schriften. Die kleinen Häkchen und Striche an den Buchstaben würden den Augen quasi den Weg weisen, fehlende Serifen das Auge dagegen eher verunsichern und irritiert umherschweifen lassen.

Also gehen wir auf Nummer Sicher und wählen eine …

Nein, so einfach ist es leider doch nicht.

Das eigentliche Problem serifenbehafteter Schriften ist jedoch, daß sie für die Feinheiten des Drucks und nicht die vergleichsweise plumpe Darstellung auf dem Bildschirm entwickelt wurden.

Das folgende Beispiel zeigt es ganz deutlich:

Bei der serifenbehafteten Times drohen besonders Buchstaben wie „m“ und „n“ mit ihren Serifen zusammenzuwachsen. Ganz anders dagegen die serifenlose Helvetica. Buchstaben wie „m“ und „n“ bleiben offen und gut zu erkennen. Besonders fällt dies bei sehr kleinen Schriften auf. Erst bei sehr großen Schriften, wie sie beispielsweise für Überschriften gewählt werden, spielt dies nur noch eine untergeordnete Rolle.

Für den Bildschirm sind deshalb serifenlose Schriften deutlich besser geeignet als serifenbehaftete.

Auch hier stehen mehrere Schriften zur Wahl.

Eine für alle Benutzer optimale Schrift gibt es also auch unter den serifenlosen Schriften nicht. Da sich Helvetica und Arial sehr ähnlich sehen, werden sie trotz ihrer sichtbaren Mängel von vielen Webdesignern bevorzugt. Um sicherzustellen, daß ihre Seiten auf allen Browsern ähnlich aussehen, nutzen sie meistens die Möglichkeit, im HTML-Code ihrer Seiten mehrere Schriften vorzuschlagen. Findet der Browser die an erster Stelle genannte Schrift nicht, versucht er einfach die zweite. Fehlt auch diese, probiert er es mit der dritten, usw.

Andere Webdesigner beschränken sich auf eine generische Angabe, das heißt, sie legen nur fest, ob eine serifenlose oder eine serifenbehaftete Schrift verwandt werden soll. Alles andere bleibt dem Besucher bzw. dem von ihm benutzen Browser und Betriebssystem überlassen.

Warum ist die Schrift so groß (so klein)?

Eigentlich sollte es ganz einfach sein: Die vom Computer-Benutzer eingestellte Schriftgröße ist die optimale, denn niemand anderes als der einzelne Benutzer selbst kann wissen, welche Schriftgröße er am besten lesen kann.

Aber zwischen Theorie und Praxis klaffen oft Welten.

Tatsächlich gibt es viele Computer-Benutzer, die sich ihren Browser nie den eigenen Bedürfnissen anpassen. Besonders Benutzer des Internet Explorers, des am weitesten verbreiteten Browsers, gelten in dieser Hinsicht als besonders konservativ und unbedarft. Viele wissen überhaupt nicht, daß sie im Internet Explorer unter „Ansicht -> Schriftgröße“ zwischen fünf Schriftgrößen – von „sehr klein“ bis „sehr groß“ – wählen können, und belassen es bei der häufig zu großen Voreinstellung.

Wird von einer Internetseite dann die vom Benutzer eingestellte oder nicht korrigierte Schriftgröße verwandt, empfinden sie die Schrift häufig als viel zu groß. Viele Webdesigner haben sich mit diesem Zustand abgefunden und geben einfach eine Schriftgröße von 80 oder 90 Prozent vor. Dumm ist nur, daß sich dann alle Computer-Benutzer, die ihren Browser nach ihren eigenen Bedürfnissen eingestellt haben, über sehr kleine bis völlig unlesbare Schriften ärgern müssen.

Andere Webdesigner zeichnen Schriftgrößen deshalb in Punkt (pt) oder Pixel (px) aus. Im ersten Moment scheint dies die optimale Lösung zu sein. Wenn ein typographischer Punkt rund 0,35mm groß ist, sollte zum Beispiel eine 12pt große Schrift mit gut 4mm für viele problemlos zu lesen sein. Doch Bildschirme kennen die typographische Einheit Punkt nicht, sondern rechnen alles in Pixel (Bildpunkte) um.

Im Prinzip ist das nicht weiter schlimm, aber dummerweise wird abhängig vom Betriebssystem und seiner Konfiguration sehr unterschiedlich umgerechnet. Windows verwendet je nach Einstellung 96 oder 120 Pixel je Zoll, Mac und Linux rechnen mit 72 Pixel je Zoll, und um die Verwirrung komplett zu machen greift der Internet Explorer 5.0 für Mac nicht auf die mac-üblichen 72 Pixel, sondern die windows-typischen 96 Pixel je Zoll zurück.

Verloren in endlosen Zeilen.

Wer hat sich noch nicht über ellenlange Zeilen geärgert?

Im Interesse einer guten Lesbarkeit sollten Zeilen nie länger als 65 Zeichen sein. In deutschsprachigen Texten entspricht das etwa acht bis zwölf Wörtern. Bücher mit Zeilenlängen von deutlich über 70 Zeichen sind eher die Ausnahme, auch wenn besonders in Fachbüchern zunehmend längere Zeilen zu finden sind. Zeitungen, die in der Regel weit weniger intensiv gelesen werden, kommen sogar oft mit weniger als 40 Zeichen aus.

Und Internet-Seiten?

70 bis 80 Zeichen sind die Ausnahme, 100 und mehr dagegen die Regel. Je größer die Bildschirmauflösung, desto länger werden in der Regel die Zeilen. Und je schmaler die gewählte Schrift läuft, desto mehr Zeichen finden in einer Zeile Platz. Diese Tatsache spricht zum Beispiel auch gegen die Times.

Ein wirklich befriedigendes Gegenmittel gegen zu lange Zeilen auf Internetseiten gibt es bislang nicht. Ein geschickt gewähltes Design und ein leicht vergrößerter Zeilenabstand können die Lesbarkeit zwar verbessern helfen, aber beseitigen können sie das Problem nicht. Die für diese Situation eigentlich vorgehene Möglichkeit, Texten im HTML-Code eine maximale Textbreite vorzugeben, wird bislang nur von wenigen Browsern untersützt. Nicht verstanden wird diese Anweisung bislang unter anderem auch vom Internet Explorer.

Und was wird mit dem vorhandenen Corporate Design?

Natürlich läßt sich ein Corporate Design trotzdem auf das Internet übertragen. So können zum Beispiel das Corporate Design prägende Schriften als Grafiken eingebunden werden. Zurückhaltend eingesetzt, verlängern sich die Downloadzeiten, also die Zeiten für den Aufbau der Seiten im Browser, nur unwesentlich. Durch Alternativtexte zu den Grafiken bleiben die Seiten trotzdem auch für stark sehbehinderte und blinde Menschen zugänglich.