Pahlke KunstWebDesign

Schreiben für das Internet.

Es scheint so einfach: Warum neue Texte für eine Internet-Seite schreiben, wenn sie doch längst als Broschüren, Kataloge und Werbebriefe vorliegen? Warum diese vorhandenen Texte nicht einfach auf die Internet-Seite stellen?

Aus Kostengesichtspunkten scheint diese Idee erst einmal verlockend zu sein. Bei genauerem Hinschauen erweist sich die Idee jedoch alles andere als genial. Drucksachen und Internet-Seiten werden nach völlig anderen Kriterien entwickelt.

Was zeichnet Print-Erzeugnisse wie Kataloge und Broschüren aus?

Eins zu eins auf eine Internet-Seite übernommen, würden sie meistens sehr lange Internet-Seiten mit vielen Bildern ergeben. Die Folge wären lange Ladezeiten der Seiten, die zudem auch noch gescrollt werden müssten. Handelt es sich nicht gerade um Dokumente, auf die der Besucher größten Wert legt, dann klickt er sich von solchen Seiten aber wahrscheinlich schnell wieder weg.

Wenn die alte Volksweisheit „In der Kürze liegt die Würze“ irgendwo zutrifft, dann auf das Internet.

Viel Internet-Benutzer empfinden lesen auf dem Bildschirm als sehr anstrengend. Je länger und schwerer verständlich die Texte sind, desto schneller wird deshalb weggeklickt. Eine am Institut für Psychologie der Berliner Humboldt-Universität durchgeführte Untersuchung „Zum Navigationsverhalten von Erstbenutzern des World Wide Web“ zeigte zudem, daß vor allem unerfahrene Internet-Benutzer nicht scrollen. Was außerhalb des aktuellen Bildausschnitts liegt, bleibt ihnen somit verborgen. Wie dumm, wenn sich gerade dort die wichtigste Information einer Seite befindet.

Oft ist es allerdings gar nicht so einfach, ein Thema in wenigen Sätzen darzustellen. Besonders bei umfangreicheren Themenkomplexen bietet es sich dann an, einzelne Teilaspekte herauszulösen und gesondert abzuhandeln. Allerdings weiß man als Inhalte-Anbieter niemals, von welcher Internet-Seite ein Besucher kommt und welche Links er vorher bereits besucht hat. Jedes auf einer gesonderten Seite abgehandeltes Thema muss deshalb auch für sich allein verständlich sein.

Da das Lesen auf dem Bildschirm zu anstrengend, werden Texte häufig überflogen. Eine Studie von John Morkes und Jakob Nielsen über die Informationsaufnahme (How Users Read on the Web) erbrachte, daß 70 bis 80 Prozent der Internet-Benutzer Seiten nicht lesen, sondern nur scannen. Beachtung finden vor allem Überschriften, Fettgedrucktes, Listen, Grafiken und Absatzanfänge.

Die Fähigkeit zum Überfliegen von Informationen darf aber nicht bei allen Internet-Besuchern vorausgesetzt werden. Genaue Statistiken gibt es zwar nicht, aber die PISA-Studie hat zumindest die Dimensionen des Problems erkennen lassen. Fast jeder vierte 15jährige Deutsche versteht danach nur einfache und einfachste Texte. Hochgerechnet auf die gesamte deutsche Bevölkerung sind es Millionen Menschen, die Schwierigkeiten haben, kompliziertere Texte zu verstehen.

Acht Tips für Internet-Seiten.

  1. Versuchen Sie sich möglichst kurz zu fassen.
  2. Teilen Sie umfangreichere Themenkomplexe in mehrere eigenständige Texte und Seiten auf.
  3. Formulieren Sie möglichst kurze Sätze.
  4. Beginnen Sie für jede Idee oder Aussage einen neuen Absatz.
  5. Achten Sie auf nur wenige Zeilen lange, also kurze Absätze.
  6. Wählen sie knappe, aber aussagekräftige Überschriften.
  7. Verzichten Sie auf unnötige Fremdwörter und unübliche Abkürzungen.
  8. Verlinken Sie auf eigene und fremde Seiten mit ergänzenden, weiterführenden oder erklärenden Informationen.

Das heißt aber nicht, daß Texte immer kurz sein müssen. Wer zum Beispiel einen Zeitungsartikel online nachlesen möchte, will keine Kurzfassung vorgesetzt bekommen, sondern wirklich den ganzen Artikel aus der gedruckten Ausgabe, selbst wenn er vielleicht einige hundert Zeilen lang ist. Es kommt ihm ja gerade auf diese Information an.

Doch meistens sind eher knappe Informationen gewünscht. Niemand lässt sich gerne mit Informationen zuschütten, die er zumindest zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht haben will oder auch nicht versteht. Diese können ihm gegebenenfalls über weitere Links oder zum Download angeboten werden.

Downloadbare PDF-Dateien sind keine Alternative.

Die weit verbreitete Praxis, downloadbare Dokumente alleine im PDF-Format anzubieten, ist allerdings alles andere als behindertenfreundlich. Die Ausnahme sind sogenannte „tagged“ PDF-Dateien, die auch blinden Menschen eine bequeme Navigation erlauben.

Im Sinne der Barrierefreiheit sinnvoller ist es, zum Download angebotene Dokumente in mehreren Dateiformaten sowie als normale HTML-Seite bereitzuhalten.